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Brauner Westen Mit mehr als 50 neonazistischen Demonstrationen in den letzten 10 Jahren ist Dortmund die braune Nummer Eins im Westen der Republik. Es ist kein Wunder, dass die Ruhrgebietsstadt für Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet attraktiv erscheint. Am 1. Mai 2009 etwa hatte die Polizei eineinhalb Stunden zugesehen, wie die Rechten sich versammelten, obwohl der lokale DGB-Vorsitzende die Beamten am Vortag noch einmal telefonisch vor Attacken auf die Gewerkschafter gewarnt hatte.
Die Bereitschaft zur Militanz der Dortmunder Rechten ist nichts Neues. In der Innenstadt gab es in den letzten Jahren viele Übergriffe auf vermeintlich Linke: Das Büro der Grünen, das der Linkspartei, das der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke sowie diverser linker Lokalpolitiker, und auch ein alternatives Café sowie ein Hausprojekt wurden angegriffen und beschädigt. In der Kneipe »HirschQ« zerstörten etwa 20 vermummte Neonazis den Eingangsbereich und attackierten die Gäste mit CS-Gas und Dachlatten. Auch waren Dortmunder Neonazis an einem Angriff auf Menschen beteiligt, die zur diesjährigen Gegendemonstration zum »Trauermarsch« nach Dresden gefahren sind. Doch der traurige Höhepunkt der Gewalt war bereits 2005 mit dem Mord am Punker Thomas »Schmuddel« Schulz erreicht, der von einem Neonazi erstochen wurde. Hochburg Dortmund Kein Wunder, dass es angesichts des fortwährenden Aktionismus immer mehr »Autonome« Nationalisten aus ihren Städten und Dörfern nach Dortmund zieht. Dort gruppieren sie sich um Dennis Giemsch und seine ca. 15-köpfige Gruppe des »Nationalen Widerstand Dortmund«. Sie pflegt gute Kontakte zur rechten Hooliganszene bei Borussia Dortmund, mit der sich sogar eine Kampfsporthalle geteilt wurde, bis die Antifa intervenierte. Auch mit der »Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld« und dem teils personenidentischen Umfeld von Siegfried »SS-Siggi« Borchardt arbeitet die Gruppe um Giemsch eng zusammen. Rechte Mobilmachung Insbesondere ihre alljährliche Demonstration zum »Antikriegstag« kristallisiert sich dabei zu einem Event für die gesamte bundesweite Szene heraus. Dabei wurde der »Antikriegstag« von der Friedensbewegung wegen des Überfalls Deutschlands auf Polen auf den 1. September gelegt. Die Neonazis aber versuchen wie so oft, Nazi-Deutschland als das eigentliche Opfer des 2. Weltkriegs darzustellen. Hierfür liefen letztes Jahr rund 1.300 Neonazis – teilweise aus anderen europäischen Ländern – durch Dortmund, angeführt von einem Block der »Autonomen« Nationalisten. Der Aufmarsch konnte, wie so viele vorher, nahezu ungestört stattfinden, da die Polizei das Viertel gänzlich abriegelte. Es reicht schon lange Gegenproteste in Dortmund waren selten erfolgreich, die Linke galt lange Zeit als zerstritten. Doch das soll nun anders werden. Es gibt bereits erste Anzeichen für eine breite Mobilisierung gegen den Aufmarsch am 5. September 2009. Ein Vorbereitungskreis mehrerer Antifa-Gruppen aus Dortmund und der gesamten Region plant Gegenaktivitäten und Demonstrationen. Erfolg versprechend sind auch die Aktivitäten der »Aktion 65plus«, die bereits letztes Jahr 700 Menschen zu einem Blockadeversuch mobilisierten. Die Alten wissen, dass das Naziproblem in die eigenen Hände genommen werden muss. Das einzige, worauf in Dortmund nämlich Verlass ist, ist, dass auf die Polizei kein Verlass ist. ◆ www.antifa-kok.de ◆ s5.noblogs.org |
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