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Wa(h)re Bildung… und warum alles so bleibt wie es ist?! Nach dem humanistischen Ideal soll Bildung den Menschen zur kritischen Reflexion befähigen und ihn zu einem mündigen Bürger machen. Zur Legitimation der Schulpflicht wird dieses Ideal immer wieder gern herangezogen. Mit der Realität im bundesdeutschen Bildungsbereich hat es jedoch wenig zu tun. Zwar ist grundlegende Bildung die Voraussetzung für selbstständiges und kritisches Denken. Doch echte Mündigkeit setzt auch das Erlernen von Widerspruch und Widerstand voraus. Die Schule, in ihrer heutigen Form, ist jedoch für den Erwerb dieser Fähigkeiten ein denkbar schlechter Ort. Denn schon das autoritäre Verhältnis von Lehrer und Schüler konditioniert letzteren zu gehorsamen Wesen. Jahrelang den Lehrern auf Gedeih und Verderb unterworfen, stellen Menschen die ihnen später vorgesetzten Autoritäten in Ausbildung, Universität und Beruf nur noch selten in Frage. Schließlich wurden sie seit dem Kindesalter an solche Hierarchien gewöhnt. Ökonomisch Zurichten... Die Anpassung des Individuums an gesellschaftliche Normen und Gesetze, wird als grundlegendes Ziel der Pädagogik angesehen. In diesem Zusammenhang heißen die zentralen Lernziele also bis heute Gehorsam, Fleiß und Pünktlichkeit.
Heute, in der so genannten Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, vermittelt die Schule das grundlegende Wissen, auf dem Ausbildung und Studium aufbauen können. Erst dort werden die Menschen durch das Erlernen bestimmter Fähigkeiten zu profitablen Arbeitskräften. Neben der ökonomischen hat das Bildungssystem noch eine ideologische Funktion: Die Konstruktion von kultureller Hegemonie. Dabei geht es darum, in der gesamten Bevölkerung die Vorstellung zu verbreiten, dass wir in den fortschrittlichsten und humansten Verhältnissen leben, die möglich sind. Ideologisch Einrichten... Hierfür wird eine Sichtweise auf die bisherige Menschheits- und Gegenwartsgeschichte vermittelt, deren Quintessens es ist, die parlamentarische Demokratie als Beste aller Gesellschaftsformen darzustellen. Die Gleichheit wird uns als Kernstück dieser Demokratie verkauft. Es wird vorgemacht, wir alle könnten es zum Millionär schaffen. Entsprechend sei »jeder seines eigenen Glückes Schmied«. Ein Scheitern in der Gesellschaft sei folglich allein auf die fehlende Leistungsbereitschaft des Individuums zurückzuführen. Dass es sich hierbei mehr um die Legitimierung der herrschenden Verhältnisse als um die kapitalistische Realität handelt, offenbart unser Bildungsystems selbst. Denn eine weitere Funktion der Schule ist die soziale Selektion. Sie ist für den Kapitalismus von elementarer Bedeutung. Schließlich sorgt sie für die Rekrutierung der gesellschaftlichen Elite und bestimmt, wer später die Drecksarbeit zu machen hat. Einsortieren... Durch das dreigliedrige Schulsystem wird schon im Kindesalter entschieden, welche Berufsaussichten ein Mensch nach Abschluss der Schulzeit hat. Die Statistiken der letzten Jahrzehnte belegen, dass Kinder aus wohlhabenden Familien dabei viel größere Chancen haben, sich innerhalb des Bildungssystems durchzusetzen, als Kinder aus ärmeren Familien. Das liegt zentral an den Möglichkeiten und der Bereitschaft der Eltern, die eigenen Kinder beim Lernen zu unterstützen. Hier stellt sich für viele Eltern die Frage, ob etwaige Nachhilfestunden, Bildungsurlaub und spätere Studiengebühren überhaupt bezahlt werden können. Seit einigen Jahren werden diese sozialen Unterschiede dadurch zementiert, dass immer mehr wohlhabende Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken. Laut einer Umfrage wollen sie ihre Sprösslinge damit gezielt vom »Milieu der Unterschicht« abschotten. In der BRD gab es im Schuljahr 2007/08 knapp 5.000 Privatschulen, das sind fast 60 Prozent mehr als noch vor 15 Jahren. Die fast eine Million Privatschüler haben wesentlich höhere Bildungschancen als der Rest. Sie müssen nicht in völlig überfüllten Klassen, vor immer frustrierteren Lehrern ihre Zeit absitzen, sondern bekommen individuelle Betreuung. ...an der Uni Auch an den Universitäten zeigt sich der Zusammenhang von Wirtschaftsinteressen und Lehre. Das eindrücklichste Beispiel ist der Umbau der Studienordnungen zu Bachelor- und Masterstudiengängen. Diese »Bologna Prozess« genannte Umstrukturierung führt zu einer Verschulung des Studiums,
In der Folge wissen die Studierenden nach Abschluss ihres Studiums zwar von allem ein bisschen, haben aber überall nur an der Oberfläche gekratzt. Für kritische Forschung war die Zeit sowieso viel zu knapp. So bekommt der Arbeitsmarkt das, was er zur Zeit am meisten braucht: Einen großen Pool an flexiblen Arbeitskräften. Spezialisieren können diese sich dann immer noch im Rahmen von Umschulungen und unbezahlten Praktika. Die Aufteilung des Studiums in Bachelor- und Masterstudiengang sorgt außerdem dafür, dass auch unter den Universitätsabsolventen noch einmal deutlich unterschieden wird. Nur die Besten erhalten die Möglichkeit, nach dem Bachelor auch noch den Master zu studieren. Der Rest hat bereits nach drei Jahren Studium als schlecht bezahlte Wissensarbeiter auf den Arbeitsmarkt zu gehen. ...in der Lehre Für Auszubildende sehen die ökonomisch motivierten Umstrukturierungen noch viel dramatischer aus. Denn unsere Gesellschaft produziert bereits mehr als genug Waren und braucht dafür immer weniger Arbeitskräfte. So werden immer mehr Menschen wirtschaftlich überflüssig. Um Profite zu machen, wird ihre Arbeitskraft schlichtweg nicht gebraucht. Und wo sie gebraucht würde, etwa bei der Betreuung alter und kranker Menschen, dort sind keine Profite zu machen. In der Folge werden immer weniger Ausbildungsplätze angeboten, so dass die Konkurrenz unter den Bewerbern auf diese Plätze immer größer wird. Inzwischen ist es keine Seltenheit mehr, in den großen Fabriken Azubis mit Abitur zu finden. Um ohne Hochschulreife überhaupt noch einen guten Ausbildungsplatz zu bekommen, sind entweder Beziehungen, zumindest aber ein überdurchschnittlicher Realschulabschluss von Nöten. Alle anderen landen schnell beim Arbeitsamt. Dort werden die jungen Leute meist so lange gegängelt, bis sie einen vom Amt angebotenen Ausbildungsplatz annehmen. Sonst droht der Entzug von »Hartz IV«. In der Regel sind diese Ausbildungen vollzeitschulisch, oder an einen Träger gebunden. Einen Betrieb sehen die Azubis also ausschließich bei ihren unbezahlten Praktika von innen. Manchmal werden die in diesen Ausbildungen erworbenen Abschlüsse nur in einem einzigen Bundesland anerkannt. Aber auch sonst bieten sie kaum bessere Arbeitsmarktchancen als vor der Lehre. So haben auch die Ausbildungsinhalte mehr mit einer Beschäftigungstherapie, als mit dem Vermitteln von Fähigkeiten zu tun. Aber immerhin sind die Schulabgänger kurzfristig aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden, so die herrschende Logik. Es geht um mehr als E=mc² Bildung, die dem anfangs skizzierten humanistischen Ideal entspricht, ist in diesem System nicht möglich. Selbst Lehrer, die sich enorm engagieren und sich vornehmen, kritische Lehre zu betreiben, werden durch die Gesamtstruktur und die Lehrpläne beschränkt. Die immer wieder reproduzierte soziale Ungleichheit kann durch sie nur abgemildert, jedoch nie ausgeglichen werden. Eine Erkenntnis, die auch schon Albert Einstein veranlasste, eine grundsätzliche Umwälzung der Verhältnisse einzufordern: »Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, diese Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert.« |
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