Leben für den Sport

Die Olympischen Spiele stehen vor der Tür und während die ganze Welt über die schlechte Menschenrechtssituation in Tibet spricht, werden die erbärmlichen Bedingungen der vielen Menschen, welche beispielsweise in der internationalen Sportindustrie arbeiten müssen, kaum thematisiert.

Fast alle Kleidungsstücke und Sportartikel, die in Europa und Nordamerika von den großen Bekleidungs- und Sportartikelfirmen verkauft werden, wurden nicht von diesen selbst hergestellt. Sie werden von Billigstproduzenten in Südostasien, Mittelamerika und Osteuropa produziert. Hier befinden sich die billigsten Werkstätten mit den billigsten Arbeitskräften. Deswegen wurden inzwischen in rund 70 Ländern sogenannte Freihandelszonen bzw. Exportproduktionszonen geschaffen, in denen etwa 30 Millionen Menschen beschäftigt sind. Diese Zonen sind isolierte, steuer- und zollfreie Wirtschaftsräume. Den zuständigen Regierungen bleiben nur wenige Eingriffsrechte.

Ausbeutung pur!

Gemessen am Verkaufspreis eines Sportschuhmodells erhalten die Herstellerfirmen rund zwölf Prozent und müssen davon die Material- und Produktionskosten bestreiten.
Adidas und Nike geben mehr Geld für Imagepflege als für Löhne aus
Die Näher selbst erhalten durchschnittlich nur etwa 0,4 Prozent des erzielten Preises für ihre Arbeit. Schätzungen gehen von zirka zwölf Millionen Kindern aus, die für die Herstellung von Exportprodukten aller Art schuften müssen. Mehr als ein Hungerlohn springt für die meist körperlich sehr anstrengende Arbeit nicht heraus. Mehrere Studien gehen von einem Stundenlohn von nicht mehr als zehn bis 15 US-Cents aus. Der Arbeitstag dauert oft länger als zehn Stunden an sechs bis sieben Tagen pro Woche. Überstunden werden nicht bezahlt. Krankenversicherung, gewerkschaftliche Rechte oder Schutzkleidung sind Fremdwörter. Tarifverträge existieren ebenfalls generell nicht. Gearbeitet wird in extrem staubigen und heißen Fabriken, die selten über eine Belüftung verfügen. Es gibt viele Berichte Betroffener von eingeschränkten Toilettengängen, körperlicher Bestrafung und sexueller Belästigung.

Keinen Ausweg?

Aufgrund von Druck seitens verschiedener Gewerkschaften, Kampagnen und Nichtregierungsorganisationen sahen sich viele große Unternehmen gezwungen, so genannte »Codes of Conduct« einzurichten. Darin werden, relativ wage, verschiedene Arbeitsrechte proklamiert. Real sind diese jedoch vor allem eine marketingstrategische Überlegung. An den Arbeitsverhältnissen änderte sich nur wenig, da die Umsetzung dieser Codes meist den Zulieferfirmen zufällt. Zumeist erfolgt einfach eine Umschichtung innerhalb der Unternehmen. So werden dann beispielsweise Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter durch Überstunden oder Lohnkürzungen kompensiert. Der Konkurrenzkampf unter den einzelnen Zulieferfirmen tut sein Übriges und wenn es in einer Fabrik, bedingt durch Arbeitskämpfe, zu Verbesserungen kommen sollte, wird auch gerne mal die ganze Produktion verlegt. Studien zufolge geben die Markenfirmen Nike und Adidas fast zweimal soviel für ihre Imagepflege aus, wie für die Löhne ihrer sämtlichen 650.000 ArbeiterInnen weltweit.

Arbeitsrechte fordern

Dass Menschenrechte immer auch mit den Arbeitsverhältnissen der Menschen verknüpft sein müssen, spielt im aktuellen öffentlichen Diskurs keine Rolle. Die Ursache dieser schlechten Arbeitsverhältnisse entspricht dem globalen Wettbewerb. Und die Gesetze des Marktes werden auch weiterhin dafür sorgen, dass die Warenproduktion im globalen Süden für viele Millionen Menschen ein Leben unter unwürdigen Bedingungen bedeutet.