»Die Repression hat wieder zugenommen«

Obrint Pas, was soviel bedeutet wie einen Weg öffnen, verpacken ihre politischen Botschaften in lyrischen Texten. Der Antiberliner sprach mit ihrem Frontmann Xavi Sarrià.

Ihr seid eine politische Band und erfolgreich mit euren Ska- und Punkliedern. Was thematisiert ihr in euren Texten?
Die Texte thematisieren vor allem die Probleme, die uns als junge Menschen berühren, und all das was uns sonst noch beschäftigt. Wir sagen immer, dass wir über unsere Gefühle reden, unsere Gefühle als Individuen, aber ebenso über unsere Gefühle, die mit dem Wunsch verbunden sind die Sachen zu verändern,
Xavi Sarriá
dem Bedürfnis Alternativen zu dem aufzubauen was derzeit existiert.
Ihr engagiert euch bei verschiedenen sozialen und politischen Aktionen. Dieses Jahr habt ihr u. a. in Rostock bei dem »Move against G8« gespielt.
Wir treten bereits seit mehreren Jahren immer wieder in Deutschland auf, dadurch sind verschiedene politische Kontakte entstanden. Auf einem so großen Festival wie in Rostock aufzutreten, wo so viele politische Aktivisten sind, ist für uns sehr wichtig. Wir haben uns schon immer mit der Antiglobalisierungsbewegung verbunden gefühlt.
Wie siehst du die derzeitige Repression gegen die baskische Linke?
Dazu muss man wissen, dass es vom spanischen Staat aus schon immer eine starke nationalistische Dynamik gegeben hat. Das heißt nichts anderes, als dass der Staat sehr an der territorialen Einheit des Landes festgehalten hat und nach wie vor festhält. Die Wurzeln dieser Ideologie stammen vor allem aus der Zeit des franquistischen Falange, die die Einheit Spaniens als zentralen Punkt behandelt hat. Das Militär und der König sind bis heute der Garant für die Einheit des Landes. Deswegen wird jeder Versuch unterschiedliche Kulturen innerhalb des spanischen Staates zu verteidigen mit einer großen Repression überzogen. Der letzte große Schlag war gegen die baskische Bewegung. Allerdings wird hier nicht nur mehr der bewaffnete Kampf einer starken Repression unterworfen, sondern auch der politische.
Also hat sich unter der neuen sozialdemokratischen Regierung von Zapatero in den letzten drei Jahren gar nichts verändert?
Es gab am Anfang die Hoffnung, dass sich etwas verändern würde. Zapatero hatte versprochen, dass nun eine Politik erfolgen würde, die weniger nationalistisch, sondern sozialer sein sollte. Natürlich hat es einige kleine soziale Verbesserungen gegeben, aber die Rechte in Spanien hat sehr viel Druck aufgebaut. Als Zapatero zum Beispiel die homosexuelle Ehe gesetzlich durchgesetzt hat, ist die rechtskonservative PP auf die Strasse gegangen und hat dort Großdemonstrationen mit 50.000 bis 100.000 Personen gegen dieses Gesetz durchgeführt. Und das Schlimme ist, dass die Rechte in Spanien nicht wie in anderen europäischen Ländern in der Öffentlichkeit delegitimiert wird. Es ist hier etwas ganz normales, wenn hier die Massen gegen Homosexualität auf die Straße gehen.
Der ganze Druck der Rechten hat auf die Politik von Zapatero Einfluss genommen und entsprechend ist diese heute nationalistischer, patriotischer und repressiver als am Anfang.