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Arbeitskampf muss Kritik der Gesellschaft bedeuten Wenn sich die Vertreter der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) auf eine Beilegung des Tarifkonfliktes geeinigt haben, wird sich daran folgendes aufzeigen lassen. Erstens, Arbeitskämpfe scheinen sich auch in Deutschland wieder zu lohnen. Und zweitens, Arbeitskampf ist nicht gleichbedeutend mit Arbeitskritik. Zwar werden die Lokführer, nach einem der größten Streiks in der Geschichte Deutschlands, etwas mehr Geld in der Tasche haben, was zweifelsohne zu begrüßen ist, doch die realen Ausbeutungsverhältnisse wurden während dieses Streiks (wie bei so vielen anderen Streiks auch) nicht thematisiert. Denn die Ausbeutung welche den ökonomischen Verhältnissen zugrunde liegt, lässt sich eben nicht durch bessere Entlohnung oder humanere Arbeitszeiten aufheben, sondern nur durch eine komplette Umstrukturierung der Wirtschaft. Ausgangspunkt der kapitalistischen Ökonomie bilden der Privatbesitz an Produktionsmitteln und die Ausrichtung der Produktion auf Profitmaximierung. Nicht die Bedürfnisbefriedigung der Menschen steht im Mittelpunkt des Wirtschaftens,
Doch was hat das mit den Lokführern und der GDL zu tun? Viel, denn denselben Verhältnissen, die Menschen trotz Überproduktion verhungern lassen, unterliegt auch das gemeine GDL Mitglied. Kapitalismus ist nicht ein lokal begrenztes Wirtschaftssystem, sondern eine globale Ordnung, die Ökonomie, Gesellschaft und Subjekte strukturiert. Das heißt nicht, dass die Bedingungen überall und für jeden gleichgesetzt werden können – doch das Prinzip ist dasselbe. Konflikt zwischen Kapital und Arbeit Zentral für das Funktionieren des kapitalistischen Systems ist eine Nichtinfragestellung der Lohnarbeit. Denn erst durch die menschliche Arbeitskraft, d.h. die Fähigkeit Arbeit in der unterschiedlichsten Weise zu verrichten, ist es möglich einem Produkt Wertzuwachs zu verschaffen. Ist dieser Wertzuwachs größer als der sich im Lohn widerspiegelnde Wert der Arbeitskraft selbst, wird die Differenz »Mehrwert« genannt. Der von Karl Marx geprägte Begriff wird bis heute in der Ökonomie, wenn auch umstritten, verwendet. Der Wert der Arbeitskraft wird in Form von Lohn oder Gehalt bezahlt und bestimmt sich anhand eines gesellschaftlich anerkannten und erkämpften Rahmen und ist somit veränderbar. Der Wert der Arbeitskraft wird in gesellschaftlich als notwendig erachteten »Lebensmitteln« bemessen, die zur Reproduktion des Arbeiters und seiner Familie nötig sind. Dabei sind »Lebensmittel« nicht allein als Nahrung zu verstehen, sondern als gewisse kulturelle Standards wie z. B. eine Wohnung, eine Waschmaschine oder ein Fernseher. Dinge, die der Mensch zum Leben braucht, bzw. solche die ihm gesellschaftlich zugestanden werden. Es waren vor allem Gewerkschaften, die historisch für höhere Löhne gekämpft haben und so für eine Anhebung des gesellschaftlich anerkannten Lohns gesorgt haben.
Wem gehört der Mehrwert? Ein wichtiger Aspekt der Ausbeutung besteht eben in dem Umstand, dass der Wert der Arbeitskraft geringer ist, als der Wert, der durch diese produziert wird. Der Mehrwert gehört dem Käufer der Arbeitskraft, welche zu ihrem vollen Wert bezahlt worden ist. Über den Mehrwert wird der Profit realisiert, ohne Mehrwert kein Gewinn. Im Kapitalismus wird also Menschen ihre Arbeitskraft abgekauft um Profit zu erwirtschaften. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies im Dienstleistungssektor, in der Landwirtschaft oder in der Industrie geschieht. Zweierlei geht hieraus hervor. Zum einen, wird das Verhältnis zwischen den Menschen zu einem Warenverhältnis, indem Menschen die Arbeitskraft anderer Menschen kaufen und sie für sich arbeiten lassen. Das bedeutet gleichzeitig eine unterschiedliche gesellschaftliche und vor allem ökonomische Stellung der Menschen, nämlich in Käufer und Verkäufer von Arbeitskraft: Arbeit und Kapital. Zum anderen zeigt sich hier noch ein anderer Ausbeutungsaspekt. Diejenigen, die den Mehrwert produzieren, sind von diesem fast gänzlich ausgeschlossen. Nicht durch die eigene Arbeit wird man reich, sondern durch die Arbeit anderer. Selbstständige Handwerker können hiervon ein Lied singen. Dieser Umstand schließt ein solidarisches Miteinander schon fast aus, so stark sind die damit verknüpften gesellschaftlichen Zwänge. Allein schon deshalb ist eine starke Linke so wichtig. Eine Linke die immer wieder auf ein Leben fern von Profitmaximierung, Konkurrenz, Ausbeutung und Unterdrückung besteht und dabei dennoch das Hier und Jetzt nicht vergisst. Arbeitskämpfe sind ein wichtiger Bestandteil linker Politik, allerdings darf ein emanzipatorischer Arbeitskampf die Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse nicht vergessen. Und bei aller Realpolitik gilt es die Utopie einer freien Gesellschaft aufrecht zu erhalten, in der die freie Entwicklung des Einzelnen die Bedingung der freien Entwicklung aller ist. Buchempfehlung • Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung (2007), Michael Heinrich, (5. Aufl.), ISBN 3-89657-593-7, Broschiert, 10 Euro – Michael Heinrich führt in dem 200 Seiten langen Werk, in Grundbegriffe der marxistischen Ökonomie ein. Sehr übersichtlich geschrieben und absolut lesenswert der wissen will wie der Kapitalismus funktioniert. • Marx lesen. Robert Kurz, 2006, ISBN 3-8218-5646-7, 12 Euro – Robert Kurz hat mehre Texte von Marx aus neu herausgeben und ausführlich kommentiert. Dabei befreit Kurz von Marx Theorien von etlichen historischen und ideologischen Interpretationen. • Entfesselter Kapitalismus. Joachim Bischoff, 2003, ISBN 3-89965-034-4, 15,95 Euro – Bischoff geht der Frage nach welche Widersprüche sich im Kapitalismus entwickeln. Dabei nimmt er Bezug auf Theorien der Frankfurter Schule und Gramsci. |
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