Deutsche Kolonialverbrechen

Wird hierzulande über Kolonialismus gesprochen, sei es im Geschichtsunterricht oder als kritische Anmerkung, wenn etwa beim G8 Gipfel die Armut des afrikanischen Kontinents in den Fokus rückt, denken viele zunächst an Spanien, Frankreich und das Britische Empire.

Den Kolonialismus nicht unmittelbar mit der eigenen Geschichte zu verknüpfen, sondern mit der der kolonialen Großmächte, ist sicher der untergeordneten Rolle des Deutschen Reichs geschuldet, die es im Wettlauf um die Aufteilung der Welt einnehmen musste. Denn selbst erst im 19. Jahrhundert ins Leben gerufen, konnte sich die junge Nation entsprechend spät um eigene Kolonien bemühen. Und bereits nach dem ersten Weltkrieg verloren sie die bis dato unterjochten Gebiete an die siegreichen Staaten.

Doch die relativ kurze Kolonialgeschichte der Deutschen hinterlässt bis heute tiefe Spuren in den ehemaligen »Schutzgebieten«.Um das Ausmaß der Gewalt und ihrer Nachwirkungen zu verdeutlichen, soll beispielshaft auf zwei der deutschen Kolonien eingegangen werden.

Verbrannte Erde

In »Deutsch-Ostafrika«, also dem Gebiet der heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi führte die rücksichtslose Ausplünderung durch Steuern und Zwangsarbeit innerhalb kürzester Zeit zu Aufständen. Diese wurden von den Deutschen mit der »Taktik der verbrannten Erde« bekämpft. Die im Aufstandsgebiet befindlichen Dörfer wurden niedergebrannt,
Die Nazimarke Thor Steinar verherrlicht den deutschen Kolonialismus
das Vieh vertrieben und die Felder zerstört. Dieses systematische Aushungern ganzer Landstriche führte zum Tod eines Drittels der dort lebenden Bevölkerung. Sicher ist, dass wir hierbei von mehr als 200.000 Opfern ausgehen müssen.

Zudem schufen deutsche Ethnologen im heutigen Ruanda und Burundi, rassische Mythen mit verheerenden Folgen. Sie kathegorisierten die dort lebende Bevölkerung in »edle Tutsi« und »negroide Hutu«, wiesen ihnen entspechende Eigenschaften zu und legten damit den ideologischen Grundstein für die wechselseitigen Massenmorde, die allein 1994 mehr als eine Million Menschenleben forderten. Es lässt sich also festhalten, dass die übliche Argumentation, die diese ethischen Konflikte als hausgemachte Probleme Afrikas heranzieht, um die europäische Schuld an der Not dieses Kontinents zu relativieren, den vollen Umfang des kolonialen Erbes ausblendet.

In die Wüste getrieben

In »Deutsch-Südwest«, dem heutigen Namibia hatten die Deutschen den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts zu verantworten. Der für die einheimische Bevölkerung auf Verlust von Land und Vieh, Unterwerfung und Diskriminierung zwangsläufig folgende Aufstand wurde mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Doch der Völkermord an den Herero, die den Aufstand starteten, war vom Motiv der Rache geleitet. Es reichte den Kolonisatoren nicht militärisch zu siegen. Also wurden die Aufständischen, die sich am 11. August 1904 zur Entscheidungsschlacht am Waterberg, in Erwartung eines Friedensangebotes mitsamt ihren Familien einfanden, nicht nur angegriffen und militärisch besiegt, sondern anschliessend in die Wüste getrieben. Wer zurück kam wurde erschossen. Die übrigen Herero wurden, wie die sich dem Aufstand anschliessenden Nama, in Konzentrationslager gesperrt.

Kollektive Amnesie

Den Völkermord im heutigen Namibia belegten etliche in Deutschland erschienene Erinnerungsbücher und populäre Romane – sowie Postkarten, die Hinrichtungsszenen und Konzentrationslager zeigten. Es kann unter diesen Umständen wohl kaum davon gesprochen werden, dass die deutsche Öffentlichkeit seinerzeit nicht über die Massenmorde informiert gewesen wäre. Dies macht es um so verwunderlicher, dass die kolonialen Verbrechen heute nahezu vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind. Herrscht doch hierzulande, wie international der Glaube vor, dass die Deutschen ihre eigene Vergangenheit vorbildlich aufgearbeitet hätten.