»Gesellschaft voller Schein und Spektakel«

Oleguer Presas i Renom ist Fußballprofi beim FC Barcelona und als überzeugter Linker bezieht er klar Position. So lehnte er es ab, bei der WM 2006 für die spanische Auswahl zu spielen.

Wie schaffst du es Leistungssport, Studium und politisches Engagement miteinander zu verbinden?
Mir geht es da wie allen anderen. Du wirst neben deiner Arbeit auch Hobbys haben. Und bei mir gibt es neben dem Fußball mein Studium. Ich finde es interessant die Geschichte, Literatur und Kultur meines Landes kennen zu lernen. Ich versuche auch Kollektive zu unterstützen, die zu ähnlichen Dingen arbeiten.
Oleguer Presas i Renom, Verteidiger beim FC Barcelona
Und was ist dein politisches Anliegen?
Da gibt es jede Menge. Ich engagiere mich für eine gerechtere, solidarische Gesellschaft mit Respekt für die Kultur und Sprache von Minderheiten wie es die Katalanische ist. Im Moment arbeite ich mit einer Zeitschrift meiner Stadt zusammen, die la trama heißt.
Wie siehst du den Einfluss der Wirtschaft auf den Profi-Fußball?
Das ist sehr kompliziert. Fußball ist Teil unserer Gesellschaft und wenn man sich das alles genauer ansieht, dann wird es einem nicht gefallen. Für so ein Spektakel, für Sport, so viel Geld auszugeben und zu bewegen, ist dumm. Aber man darf nicht in dem Irrtum verfallen, zu glauben, dass sich Engagement dort nicht lohnt. Die Leute gehen ins Stadion und kaufen die Zeitungen. Die Sportzeitungen werden besser verkauft als die politischen Zeitungen! Und ich glaube, man darf deswegen nicht einfach sagen, dass Fußball scheiße ist. Alles hat miteinander zu tun. Es hängt mit den Werten der Gesellschaft zusammen. Und sicher wäre es gut, diese ganzen Ressourcen für etwas Positiveres zu bündeln.
Was sagt das über eine Gesellschaft aus, wenn die meistverkaufte Zeitung eine Fußballzeitung ist?
Für mich spiegelt das die Gesellschaft wieder, in der wir leben. Eine Gesellschaft voller Schein und voller Spektakel, die die Leute von den wirklichen, alltäglichen Problemen fernhalten. Doch auch sie ist den globalen Regeln unterworfen, wo Freiheiten eingeschränkt und abweichende Stimmen nicht gehört werden.
Du hast dich 2005 beim Referendum über die EU-Verfassung öffentlich für ein NEIN ausgesprochen. Warum?
Weil es ein weiterer Schritt der Globalisierung ist, mit Beschneidung von Freiheiten, mit Restriktionen und Ungleichheit, wo der Wettbewerb zwischen den Ländern gesucht wird, an Stellen wo man eigentlich kooperieren müsste und nicht gegeneinander wettstreiten.
Im Juni findet in Deutschland der G8-Gipfel statt. Was hältst du von der globalisierungskritischen Bewegung, deren Proteste ja untrennbar mit den Gipfeln verbunden sind?
Ich finde diese ganze Kritik am System gut, und es ist fundamental für die Entwicklung unserer Gesellschaft, dass die Leute dort ihre Meinung ausdrükken. Und je mehr Leute es sind, desto mehr Kraft hat diese Bewegung, um den Politikern entgegenzuhalten, dass der Weg den sie gehen, nicht der Richtige ist.