![]() |
||
»Krieg sichert die Weltordnung« Die Antifaschistische Linke Berlin [ALB] ist eine der größten Antifagruppen, jedoch bleibt ihre politische Praxis nicht auf Anti-Nazi Kampagnen beschränkt. Über Krieg und Frieden sprach der Antiberliner mit einem ihrer Mitglieder. Kann von einer Antikriegsposition der Antifa gesprochen werden? Eigentlich müssten wir davon sprechen können, schon im Schwur von Buchenwald war vom Aufbau einer neuen Welt des Friedens die Rede. Doch in den letzten Jahren hat es in der BRD immer wieder Antifas gegeben, die sich etwa für den Irak- Krieg ausgesprochen haben. Ist das mit dem linken Anspruch vereinbar, den die Antifaszene vor sich herträgt? Nein, auch nicht, wenn im Namen der Menschenrechte ins Feld gezogen wird. Die propagierte Zivilisation, die gegen die vermeintliche Barbarei ideologisch in Stellung gebracht wird, führt sich doch selbst ad absurdum. Im Irak sollen seit Kriegsbeginn mehr als 50.000 Zivilisten ums Leben gekommen sein. Der Krieg ist dafür verantwortlich, dass zehntausende von Menschen
verletzt und verkrüppelt sind, in Flüchtlingslagern leben müssen
und jeglicher Existenzgrundlage beraubt wurden. Dies hat gesellschaftliche
Nachwirkungen für die nächsten Jahrzehnte.Zudem stellt auch Folter wie in Abu Ghraib keine Ausnahme dar, sondern hat System. Es wird physisch und psychisch mit den effektivsten Methoden gefoltert. Das Exempel par excellence ist Guantanamo, hier werden die Menschenrechte planmäßig außer Kraft gesetzt. Es gelten also nicht einmal die minimalen Rechtsgrundlagen, auf denen die bürgerlichen Vorstellungen von Zivilisation beruhen. Was unterscheidet diese Zivilisation noch von der so genannten Barbarei!? Gibt es demnach keinen »gerechten Krieg«? Tod und Zerstörung sind jedem Krieg innewohnende Eigenschaften. Das sind Aspekte, die wir grundsätzlich nicht befürworten können.Trotzdem ist es natürlich wichtig zu analysieren, welche Interessen hinter der Auseinandersetzung stehen. Denn sicher gab und gibt es auch bewaffnete Kämpfe, die ihre Berechtigung haben. Die wenigen Ausnahmen müssen jedoch nicht im Widerspruch zu einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber Kriegen stehen. Von den 43 Kriegen und bewaffneten Konflikten, die allein im letzten Jahr weltweit gezählt wurden,hatten nur die wenigsten die Beseitigung von Ausbeutung und Unterdrückung als Ziel. Wie beurteilt ihr die als Friedensmissionen bezeichneten Einsätze der Bundeswehr? Außenpolitisch sind auch diese Einsätze im Kontext der neuen Weltordnungskriege zu sehen. Seit dem Ende der Blockkonfrontation befinden sich die ökonomisch und militärisch stärksten Staaten der Erde in einem Wettlauf um Macht- und Einflusssphären und um die globalen Ressourcen. Der Dauerzustand Krieg ist dabei zu einem wichtigen Element der neuen Weltordnung geworden. Seine Funktion ist, die sich überall verschärfenden sozialen und politischen Konflikte repressiv zu verwalten. Die Sicherung der Rohstoffgewinnung sowie der Handelswege steht dabei im Vordergrund. Und innenpolitisch? Dort wirkt der permanente Kriegszustand vor allem diskursiv. Die Bedrohung von außen konstruiert ein gemeinsames Innen, über alle Klassengrenzen hinweg. Der erstarkende Nationalismus verschleiert die sozialen Konflikte. Außerdem legitimiert die vom »internationalen Terrorismus« ausgehende abstrakte Gefahr die innere Aufrüstung. Dies hat sich deutlich in den letzten Jahren nach dem 11. September gezeigt. Alles in allem hat das permanente Bedrohungsszenario zur Akzeptanz und Durchsetzung von Militarisierung und autoritären Kontrollmechanismen im Inneren aller westlichen Gesellschaften geführt. |
||